Ausstellungen

Die letzte Reise - Begräbnis und Friedhof (Wolfgang Steiger)

Die Angst vor dem Tod und dem Gericht in der katholischen Kirche hat zu Ritualen geführt, die das Sterben erleichtern. Das Zügenglöcklein gibt das Sterben einer Person in der Gemeinde an. Beim Sterben einer Person werden ein Kreuz und zwei brennende Kerzen aufgestellt und Gebete gesprochen. Die Gebete und das Lesen der Messen sollen die Zeit im Fegefeuer verkürzen. Die Bestattung in der Kirche oder in der Nähe der Kirche war erwünscht.
Die Anordnungen von Josef dem Zweiten führten in Mattersburg zur Errichtung eines neuen Friedhofes 1786. 1873 wurde das Totenhaus gebaut. Die Aufbahrung der Verstorbenen im Haus wird durch den Bau einer Leichenhalle 1970 abgelöst. Durch den begrenzten Platz wird 1975 ein neuer Friedhof errichtet, der sich nicht mehr in der unmittelbaren Nähe der Kirche befindet. In einem Soldatenfriedhof werden Gefallene aus ganz Burgenland hierher umgebettet. 1973 befinden sich im Mattersburger Soldatenfriedhof 2891 Personen.

Motorisierung in Mattersburg
Entwicklung des Kraftfahrzeugswesens (Norbert Pingitzer)

Die Motorisierung beginnt Ende des 19.Jahrhunderts. Die Automobile werden vorerst von einer reichen Käuferschicht aus dem europäischen Adel, Industriellenfamilie und vermögenden Großbürgertum gekauft wie die Familie Rothermann, Eigentümer der Hirmer Zuckerfabrik und des Platzwirtshauses in Mattersburg. Mit dem Besitz eines Automobils werden Ansehen und Prestige gekauft. Die Masse der Bevölkerung muss sich mit der Eisenbahn zufrieden geben.
Die Mittelklasse entdeckt das Motorrad als Fortbewegungsmittel und nur die Lastkraftwagen treten in Konkurrenz zu den Fuhrwerken. Die propagandistische Vermarktung eines Volksautos und der Autobahn unter den Nationalsozialisten bleibt lehres Versprechen. Der Großteil der vorhandenen Kraftfahrzeuge wird konfisziert und der gesamte Autobahnbau besteht in Österreich aus 17 Km bei Salzburg.
Nach dem Krieg sind praktisch keine Kraftfahrzuege vorhanden. Erst in den 1960er Jahren wird das Auto zum Massenverkehrsmittel. Dies stösst aber bald an ihre Grenzen und seit den 1990er Jahren kommt es zu einer Wiederbelebung der öffentlichen Verkehrsmittel.

Die Wulka - Fluch und Nutzen für ein Tal (Anna Benedek, Wolfgang Steiger)

Die Wulka war die Lebensader für Mattersdorf. Sie hat einerseits Energie für die Mühlen geliefert, andrerseits Schaden durch Überschwemmung gebracht. Heute ist die Wulka ein Erholungs- und Naturschutzgebiet geworden.
In der Ausstellung werden neben der geschichtlichen Entwicklung insbesondere der Mühlen auch die aktuellen Fragen des Hochwasserschutzes und Verschmutzung behandelt. Die Fragen der Verschmutzung aus der Landwirtschaft und der beginnenden Industrialisierung durch die Felix Austria in den 1960er Jahren erfordern einen Ausbau der Kanalisation. Der Hochwasserschutz wird in den 2010er Jahren errichtet.

Freie Platzwahl Mattersburg
Der öffentliche Raum als selbstverständliche Bühne (Michael Schmid)

Michael Schmid hat in über 40 Ausstellungen seiner Photokunstprojekte die Rolle der Frau im öffentlichen Raum thematisiert: "Wenn Fraune ihren Platz in der Öffentlichkeit einnehmen".
Sein Konzeptkunst gibt den Rahmen vor - die Interpretation schaffen die Protagonisten seiner Fotos. 32 Frauen aus Mattersburg von 18 bis 102 Jahren zeigen ihren Platz in Mattersburg dem Betrachter.

Ansichtskarten aus Mattersburg
(Wolfgang Steiger)

Die Blütezeit der Ansichtskarten ist von 1897 - 1918. Es gibt noch kein Telefon für die Kommunikation. Neben den Ansichtspostkarten, die heute vor allem touristischen Zwecken dienen, sind die Genrepostkarten, Kunstpostkarten und Glückwunschkarten von Bedeutung
Ansichtskarten werden zu Werbezwecken und auch zu besonderen Ereignissen hergestellt. Die Ansichtskarten werden vor allem an die Besucher von Mattersburg verkauft. Sie dienen auch der Abbildung von Plätzen, Sehenswürdigkeiten aus Mattersburg, die Reisende oder Ausflügler an Freunde und Verwandte als Erinnerung schicken. Diese Postkarten sind auch Quellen für die Geschichtsforschung und dienen der Illustration. Sie sind Teil der Erinnerungskultur eines Ortes.

Dr. Berczeller Symposium
Vertreibung, Exil, Sozialdemokratie

Univ.Prof.Dr.Peter Berczeller (Mediziner und Schriftsteller): "Avenue Trudaine, Montauban und New York: Erinnerungen an die Auslandsvertretung Österreichischer Sozialisten"
Dr.Joachim Riedl (Schriftsteller, Publzist, Journalist, Dokumentarfilmer). "Exil - Schicksal der Vertriebenen"
Univ.Prof.Dr.Alfred Pfabigan (Sozialphilosoph und Literaturkritiker): "Von der Revolution zum Anschluss. Was es hieß 1918-1938 Sozialdemokrat zu sein."
Univ.Doz.Dr.Fritz Weber (Wirtschaftshistoriker und Operndramaturg): "Wandlung der österreichischen Sozialisten im Exil (England,Schweden,USA) - Zwischen Keynes und Planwirtschaft"
Die Moderation hatten Anna Benedek und Elisabeth Luif

Modell Mattersburg - Zeitenwende der Kultur in Mattersburg
(Lilo Resch, Georg Gesellmann)

Am Samstag, dem 8. Oktober fand im Matterburger 70erHaus der Geschichten die Ausstellungseröffnung „Modell Mattersburg – Zeitenwende der Kultur“ statt. Dies war bereits die 2. Ausstellung zu diesem Thema. Die erste hatte im April diesen Jahres stattgefunden und behandelte die Gründung und ersten Jahres dieser beispielgebenden Kulturoffensive, die Dr. Gerald Mader 1976 ins Leben gerufen hatte und die für das ganze Burgenland zum Vorbild wurde.
Diesen Samstag präsentierten Vereinsobfrau Lilo Resch und der künstlerische Leiter Prof. Gesellmann das Modell Mattersburg in seiner heutigen Form und blickten zurück auf die vergangenen Jahre, in denen der Verein neben Auftritten eines US-amerikanischen Chors, zahlreichen außergewöhnlichen Kirchenkonzerten und allseits beliebten Weihnachtsmärkten auch auf viele besonders denkenswürdige Veranstaltungen wie zum Beispiele Toni Stricker-Konzerte und Josef Hader-Auftritte zurückblicken kann.
Im Gespräch mit Dr. Georg Luif, dem Gründer des 70er Hauses der Geschichten schilderten Lilo Resch und Prof. Gesellmann etliche Anekdoten aus der Vereinsgeschichte, die das interessierte Publikum zum Lächeln brachte. In 2 Ausstellungsräumen ist die Geschichte des Vereins ausführlich mit Texten, Fotos und Veranstaltungsplaketen dokumentiert. Die gutbesuchte Veranstaltung zeigte wieder einmal, wie wichtig das kulturelle Leben einer Stadt ist.

Richard Berczeller - Sozialist,Arzt,Schriftsteller
(Anna Benedek, Elisabeth Luif, Georg Luif)

Richard Berczeller war Zeit seines Lebens überzeugter Sozialdemokrat. Nach der Vertreibung im Jahre 1938 unterhält er weiterhin enge Kontakte zur sozialdemokratischen, österreichischen Emigration. In seinen Büchern und seiner Korrespondenz mit Bundeskanzler Sinowatz kommentiert er die österreichische Politik.
1920 beginnt Berczeller sein Medizinstudium an der Universität Wien. Zu dieser Zeit entsteht der "moderne", rassische und sekuläre Antisemitisumus an der Wiener Universität. Deutschnationale und katholisch-klerikale Studenten versuchen, jüdische Studenten an der Inskription zu hindern. Nach dem Abschluss seines Studiums und Turnusausbildung in Wien tritt er 1929 eine Arztstellung in Mattersburg an. Er wird ein beliebter Arzt bei der jüdischen wie auch der christlichen Bevölkerung. Sein soziales Verständnis lebt in den Erzählungen der Mattersburger weiter. Nach seiner Vertreibung und Zwischenaufenthalten in Paris, Abidjan bekommt er Asyl in New York, wo er nach einem neuerlichen Arztstudium seine Praxis 1945 eröffnen kann.
In den 1960er Jahren beginnt Berczeller ein Leben als Schriftsteller. Er schreibt in englischer Sprache. Sie ist seine vierte Sprachenwelt nach Ungarisch, Deutsch und Französisch. Am 24. August 1963 erscheint seine erste Erzählung "A Trip into the Blue in der literarisch anerkannten Intellektuellenzeitschrift The New Yorker. Seine Autobiografien erscheinen 1964 "Displaced Doctor" und 1971 "Time was" in New York. Gemeinsam mit Norbert Leser gibt er "... mit Österreich verbunden" und "Als Zaungast der Politik" in Wien heraus.
In der Ausstellung sind insbesonder die kommentierten Briefe mit Bundeskanzler Sinowatz zu finden. Seine Auszeichnungen und eine Arzttasche sind in einer Vitrine ausgestellt.

Unternehmerfamilien gestalten Mattersburg
(Georg Luif)

Die Gründungen der gewerblichen Familienbetriebe in Mattersburg geht bis in des 19. Jahrhundert zurück. Die Ausstellung führt uns vor Augen, wie wichtig Familienmitglieder für die wirtschaftliche Expansion sind. So hätte das Wachstum der Betriebe von Bauwelt Koch, Druckerei Wograndl und Dachdeckerei Resch nicht ohne Unterstützung der Familien stattfinden können. Auch das Überleben der kleineren Betriebe wie Eisenhandlung Pingitzer und Bürstenbinderei Eckhardt sichert die Mitarbeit der Familienmitglieder.
Die Mischung von der Unerschrockenheit jüngeren Familienmitgliedern mit der Erfahrung der älteren ermöglicht einerseits die notwendige Expansionslust und andrerseits die Risikoabwägung. Was aber oftmals auch Reibungspunkte darstellt. Nicht vergessen darf aber die Stellung der Frauen in den männerdominierten Familienbetrieben werden. Sie bringen Stabilität in die Betriebe. Der geforderte Anteil von Frauen in Führungspositionen wird hier erfüllt. Aber oftmals beklagen die Frauen in Führungspositionen der Familienbetriebe über die wirtschaftliche Abhängigkeit.
Ein anderer Aspekt der Unternehmerfamilien zeigt sich in der Verbindung von Wirtschaft und Politik. Unternehmerfamilien sind sehr präsent in der lokalen Politik. Bei den in der Ausstellung präsentierten Betrieben finden sich in der Ahnenreihe Bürgermeister oder Vizebürgermeister.

Gasthaus Steiger - Gasthäuser als kultureller Treffpunkt
(Wolfgang Steiger)

Das Gasthaus Steiger hat seine Ursprünge im herrschaftlichen Platzwirtshaus am Hauptplatz von Mattersburg. 1667 kommt der Edelhof in den Besitz der Esterházy. Als älteste Darstellung des Gasthaus gilt ein Aquarell von 1793 wo es als Gemeind Wirtshaus bezeichnet wird. Zur gleichen Zeit gibt es einen Pachtvertrag der Grafschaft Forchtenstein mit der Gemeinde Markt Mattersdorf.
1896 verkauft Fürst Esterházy das Platzwirtshaus an die Firma Hartig und Rothermann. Die neuen Pächter werden nun die Familie Steiger, die das Gasthaus 1928 erwerben. Das Gasthaus wird zum kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum von Mattersburg. Bälle, Veranstaltungen und politische Wahlversammlungen finden hier statt.

Dr.Mader und das kulturelle Jahrzehnt - Kulturoffensive und Mattersburg
(Eduard Sieber und Günter Unger)

Im Gegensatz zum Dorfgemeinschaftsgasthaus aus den 1960er Jahren wird von Sinowatz und Mader das Konzept der regionalen Kulturzentren ab 1972 postuliert. Durch die Kulturzentren wird das regionale Bewusstsein des Dorfes gefördert und neue Impulse für die Kommunalkultur geweckt. Hand in Hand mit den Kulturzentren soll durch die Errichtung von Gemeindebüchereien der Zugang zum Kulturgut Literatur über das Buch ermöglicht werden.
1978 startet das Programm der burgenländischen Kulturoffensive, die eine breite Kulturdiskussion in Gang setzen soll. Kultur wird als humane Herausforderung begriffen. Kultur ist für alle. Kultur ist umfassend. Der Wohlfahrtsstaat wird ein Kulturstaat - humane und kulturelle Interessen vertreten und nicht ökonomische und Machtinteressen verwirklichen. Burgenland und Mattersburg wird zu einem kulturellen Zentrum in Österreich.

Geschichte der Liedertafel
(Brigitte Bürger und Hedwig Steiger)

Die Liedertafel ist der älteste noch bestehende Verein in Mattersburg. 1870 zuerst als Männergesangsverein gegründet hatte der Chor das deutsche Liedgut zu bewahren und eine Form des Widerstandes gegen die Magyarisierung von Deutschwestungarn zu schaffen. Während des Ersten Weltkrieges wurden auch Frauen in den Chor aufgenommen. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Verein aufgelöst. 1947 wurde das Vereinsleben wieder aufgenommen.
Drei Perioden werden als Glanzzeiten des Chores unter den folgenden Chorleitern angesehen: Johann Wolfahrt (1870-1894), Anton Lorenz (1926-1939), Harald Dreo (1956-1990). Unter der Chorleitung von Harald Dreo wurde klassische Musik unter anderem eines Joseph Haydn einstudiert. Die derzeitige Chorleiterin Bruckschwaiger hat das traditionelle Programm um irische und afrikanische Lieder erweitert.

Sportgeschichten aus Mattersburg
(Anna Mayer-Benedek)

Der Fußball mit dem Fußballklub SVM dominiert die Sportstadt Mattersburg. Es gibt aber durchaus noch viele andere Sportarten, die für die Stadt Geschichte geschrieben haben. Sportgeschichte beginnt in Mattersburg in den 1920er Jahren mit der Gründung des Fußballklubs. Zuerst wird auf dem Viehmarkt gespielt und später ein Spielplatz beim Viadukt errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg entsteht ein Tennisklub und durch die Schulen erhält das Schifahren eine Bedeutung. So hat in den 1960er Jahren Mattersburg einen Schiklub mit über 1600 Mitgliedern - den größten in Österreich.
In der Ausstellung wird das Augenmerk auf die wichtigsten Sportarten gelegt, teilweise wird auch Ungewöhnliches und vielleicht nicht so Bekanntes erzählt. Folgende Themen sind in dem Ausstellungraum im 70er Geschichtenhaus zu sehen: Die Geschichte des SVM, Basketball, Judo, Turnen, Rhythmische Gymnastik, Tennis, Kegeln, Schifahren, Speedway, Schloßbergrennen, der Stemmer Karl Duchon, der Extremsportler Michi Strodl sowie frühere Tischtennisvereine. An einer Videostation wird ein Interview mit dem sportlichen Leiter des SVM Franz Lederer und dem erfolgreichen Fußballheld, Michael Mörz gezeigt. Auf einer weiteren Station läuft eine Fotoschau mit 139 ausgewählten Fotos aus Mattersburg zu verschiedenen Sportarten.

Johann Nepomuk Berger: Kriegsherr im Dienst der Kaiser
(Wolfgang Steiger)

Johann Nepomuk Berger stammt aus einer Bauernfamilie (Höfler) aus Mattersburg. Seit seinem Eintritt in das Regimente von Esterhazy zieht er mit den Truppen der Habsburger durch ganz Europa. Die Ansprüche der Monarchen Europas als absolute, von Gott bzw. durch Geburt eingesetzte Herrscher, werden durch den Freiheitskrieg der Vereinigten Staaten und der Französischen Revolution erschüttert. Berger hat in den Armeen der Habsburger für die Abwehr dieser revolutionären Vorstellungen in den Revolutionskriegen gekämpft. Die Rezeption Bergers in Mattersburg kommt vor allem durch die Renovierung der Bergerkapelle 1964 zustande. 1972 folgt ein Theaterspiel. Zum 150. Sterbejahr wird 2014 eine nochmalige Renovierung durchgeführt. Von Dr. Gröller und Dr. Kriegler, Geschichtslehrer am Realgymnasium Mattersburg, werden jeweils eine Gedenkschrift verfasst. Anschaulich stellt eine Sammlung von Zinnfiguren aus dem Museum von Katzelsdorf die Form der Schlachtendarstellung dieser Zeit dar. Eine Kopie der Büste von Berger aus dem niederösterreichischen Heldenberg (Gedenkstätte für Radetzky) zeigt beispielhaft die späte Aufnahme einer Kriegsheldenverehrung durch die Habsburger nach 1849.

Ich ging vorbei am Tränenstrauch... Hertha Kräftner - Dichtung und Todessehnsucht: Das kurze Leben einer Mattersburgerin
(Günter Unger)

Hertha Kräftner wuchs in Mattersburg in der Franz Lisztgasse auf und maturierte 1946 am BRG Mattersburg. 1947 ging sie nach Wien, um das Lehramtsstudium der Germanistik und Anglistik aufzunehmen. In den literarischen Zirkeln in Wien setzte sie ihre ersten Schritte als Schriftstellerin. Hakel und Weigel förderten ihr literarisches Werden, was sie aber in Konflikt mit der Geschichte ihrer Familie brachte. "Das Gesicht meines toten Vaters, das meinem ähnlich sieht, wandelt in den Friedhofbäumen hin und her. ..." Die literarische und künstlerische Rezeption ihres Werkes und die Bildung eines Mythos um ihre Person macht Kunst erfahrbar und greifbar. In der Ausstellung werden persönliche Unterlagen, die Rezeption im Burgenland als Schriftstellerin aus dem reichen Fundes von Dr. Unger gezeigt. Bilder von Staudacher, Wagner und Presich-Petuelli zeigen die Auseinandersetzung von bildenden Künstlern mit ihren Werken.

Schicksal der Roma mit Blick auf Mattersburg
(Anna Mayer-Benedek)

Wie alle "Zigeuner" waren auch die Burgendlandroma an den Rand der Gesellschaft gedrängt und sozial ausgegrenzt. Die Roma werden ab 1928 im Burgenland polizeilich erfasst. 1933 werden im Bezirk Mattersburg 444 Personen registriert. Bis 1938 lebten die Roma am Rande der Gemeinde - bei der Rohrbrücke in Richtung Forchtenau und in Walbersdorf vor den Ziegelwerkgründen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten werden die Roma und Sinti als Menschen "artfremden Blutes" bezeichnet. 1938 wird der Schulbesuch den Romakindern untersagt. 1940 wird das Zwangsarbeitslager in Lackenbach errichtet. Von den rund 4000 im Lager Lackenbach interneierten Roma erleben nur einige hundert Häftlinge die Befreiung des Lagers durch die sowjetischen Truppen. In Mattersburg werden 1948 24 Roma polizeilich registriert. Sie leben in der Angergasse, Judengasse, Rohrbrücke und Walbersdorf. Bis in den 1960er Jahren werden die Kinder automatisch in die Sonderschule geschickt.

Jüdisches Mattersburg - Leben und Vertreibung der jüdischen Mitbürger
(Anna Mayer-Benedek)

Auf Wandbildern und Staffeleien wird das "Jüdische Mattersburg" dargestellt. Die Judengasse ist das wirtschaftliche Zentrum von Mattersburg. Eine Tafel erinnert an die Namen der ermordeten Mattersburger Juden. In einem Film auf einem Monitor erzählt Gerda Frey von ihrer Lebensgeschichte und den Überlebenskampf ihrer Familie. Ein ORF Bericht berichtet vom Leben des Dr. Berczeller. Eine Installation weist auf die Vertreibung, auf die plötzliche, erzwungene Abreise der jüdischen Bevölkerung hin: ein aufgeschlagenes Buch, Lesebrille und Koffer - mit dem Zeitungsbericht über eine jubelnde Bevölkerung. Bücher aus unserer Bibliothek geben einen umfassenden Einblick in das jüdische Leben von Mattersburg und des Burgenlandes.

Industrieller Aufbruch 1960 - Mattersburg und Kreisky
(Georg Luif)

Die Industrialisierung des Burgenlandes wird als vornehmliches wirtschaftliches Ziel des Burgenlandes in den 1950er Jahren gesehen. Der Versuch einer Bodenreform und Verteilung des Grund und Bodens des Großgrundbesitzes an die Landarbeiter und Kleinbauern wird hintan gestellt. Auf Initiative von Bürgermeister Strodl und unter Mithilfe von Bruno Kreisky errichtet dessen Cousin Herbert Felix den Betrieb Felix Austria in Mattersburg. Objekte wie Eiskasten, industriell erzeugt Lebensmittel, Rex-Gläser zeigen das Spannungsfeld von Frauenbeschäftigung und Hausarbeit. Die Verbindungen der Industrialisierung mit Ernährung wird an Schautafeln erklärt. Ein Büchertisch präsentiert einen Band von Zeitungsausschnitten, ein Buch über Herbert Felix. Auf Video können die Spots der Fernsehwerbung der Felix Autria seit den 1960er Jahren angesehen werden. Filmraritäten von Ing. Prünner zeigen die Eröffnung und Bau der Felix Austria von 1960. Kommentare von Zeitzeugen über die Bedeutung der Felix Austria für Mattersburg runden das Bild ab. An den Wänden erklären Schautafeln und Bilder den industriellen Aufbruch. Das Original Gästebuch der Eröffnung der Felix Austria ist zu sehen. Die burgenländische Künstlerin Annelie Wagner zeigt in einer Installation den Weg der Frau vom Feld in die Fabrik.

Philatelistische Landnahme des Burgenlandes
(Wolfgang Steiger)

Die Eingliederung des Burgenlandes bzw. Deutsch-Westungarns in das österreichische Staatsgebiet ging nicht reibungslos vor sich. Die Räteregierung unter Bela Kuhn, die ungarischen Freischärler, die österreichische Gendarmerie hinterließen ihre Abdrücke auf den Briefmarken und den Poststempeln. Die Post wird zur Zeitzeugin einer bewegten Geschichte. Hinter vier Glaskästen werden Briefe mit ihren Briefmarken und Stempeln gezeigt. Postalische Raritäten mit ausführlichen Erklärungen lassen uns die Geschichte des Kampfes um Deutsch-Westungarn wieder aufleben.

Ansichten aus Mattersburg – In meine Welt gestellt
(Friederike Lorenz-Hartl)

Die Ansichten von Mattersburg in 48 Rohrfederzeichnungen entstanden in den Jahren von 1987-1989. Die Originale 60x40cm sind auf Papier. Die Familie Lorenz ist schon seit Generationen eine musisch, kreative Familie. Ihre Kunst bedeutet, die positiven Elemente des Lebens herauszustreichen. Es liegen einige Originalzeichnungen auf. Daneben gibt es ein Büchlein der gesammelten 48 Rohrfederzeichnungen.

Architektur in Mattersburg - geplant, errichtet, verändert, vernichtet
(Johann Gallis)

Die Bauten der Stadt wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem durch vier Architekten Kappel, Hutter, Jakob und Graf mitgestaltet. Schautafeln zeigen die Entwürfe und realisierte Bauten dieser vier Architekten in Mattersburg exemplarisch. Kappel (1904-1993) gestaltete einige Gastronomiebetriebe wie Konditorei Haidenwolf. Hutter (1909-1993) hatte mit der Pöttschinger Siedlungsgenossenschaft großen Einfluss auf den Wohnbau in Mattersburg und plante das Hochhaus und das neue Rathaus. Jakob (1929) beschäftigte sich in seinem Mattersburger Büro mit unterschiedlichen Bauten wie Einfamilienhäuser, Schulbauten und die Volksbank in Mattersburg. Graf (1940) legte den Schwerpunkt auf öffentliche Bauten und die Verwendung von Sichtbeton. Er plante die Sauerbrunner Sparkasse, städtischen Kindergarten und das Kulturzentrum. Videos mit den Zeitzeugen Vizebürgermeister Prünner und Vizebürgermeister Ehrenreich geben einen Einblick in die politischen Entscheidungen der Bauten in Mattersburg.